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Offener Brief von Landrat Joachim Streit an Bischof Ackermann

Das Bistum Trier plant, seine aktuell 887 Kirchengemeinden auf 35 Großpfarreien zu reduzieren. Dies führte zu massiven Protesten an der Basis, wo sich derzeit noch mehr als 8.000 Menschen in Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten und für ihre Pfarrei engagieren.

Am 29. September 2017 hat sich Landrat Dr. Joachim Streit in einem offenen Brief an den Trierer Bischof Stephan Ackermann gewendet, um ihm seine Bedenken zur geplanten Pfarreienreform offenzulegen. Dieses Schreiben ist auf große öffentliche Resonanz gestoßen und hat offensichtlich ein sensibles Thema berührt, das aktuell zahlreiche Menschen beschäftigt und umtreibt. Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich nach der Berichterstattung im "Trierischen Volksfreund" nach dem konkreten Wortlaut erkundigt. Daher veröffentlichen wir an dieser Stelle den Inhalt des Landratsbriefs:

"Sehr geehrter Herr Bischof, zum Thema Pfarreienreform möchte ich meine Gedanken mit Ihnen und den Bürgerinnen und Bürgern des Eifelkreises teilen.

 

Mit dem Zukunfts-Check-Dorf haben wir die größte Bürgerbewegung und –initiative im Eifelkreis losgetreten und wahrscheinlich auch in Deutschlands Kreisen überhaupt. Mehr als 170 Orte machen beim Zukunfts-Check-Dorf mit: Bürger gestalten den Wandel selbst, werden zu Beteiligten, nehmen Verantwortung wahr und planen ihren Sozialraum Dorf für die nächsten Jahrzehnte.

 

Meines Erachtens nimmt die Kirche den Wandel des Dorfes und die Bedürfnisse seiner Bewohner nicht wahr. Mit der Begründung Priestermangel hat sie ihr Wirken und damit nicht nur die Missionsarbeit, sondern auch die Seelsorge, die Aufmerksamkeit für uns Bewohner des ländlichen Raumes aufgegeben und entzieht sich der eigenen Grundlage als Kirche.

 

Natürlich können wir bei sich ändernden Voraussetzungen nicht die Monstranz der Bewahrung aller Dinge vor uns hertragen. Verwaltung, Institutionen und Kirche dürfen sich anpassen. Die geplante Pfarreireform mit Umwandlung von mehr als 800 selbständigen Pfarrgemeinden zu 35 Großpfarreien birgt die Implosion einer Kultur, die in eintausend Jahren in der Eifel gewachsen ist, in sich. Während heute in den Pfarreien mehr als 8.000 Menschen in Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten für ihre Pfarrei in ihrem Dorf stehen, sollen künftig „Pfarreien der Zukunft“ treten. Diese pastoralen Räume werden aber nur noch mit einem Zwanzigstel der heutigen Beteiligten geführt und verwaltet.

 

Ich habe absolutes Verständnis dafür, die Pfarrer zu entlasten, aber man darf nicht tausenden von engagierten Christen den Stuhl vor die Tür stellen. Die Kirche beraubt sich selbst der Basis vor Ort und nimmt den Gläubigen das Vertrauen. Gerade die Treuesten werden ausgelöscht. Dieser Implosion wird eine Explosion folgen und die Kirche gebiert Wutbürger um den eigenen Kirchturm.

 

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm hat 235 Gemeinden; von den 100 kleinsten Gemeinden in Rheinland-Pfalz sind 61 bei uns im Landkreis. Wir brauchen die Kirche im Dorf und die engagierten Christen, um den Sozialraum Dorf zu betreuen, in der Nächstenliebe sich auch um die Menschen zu kümmern. Mit Wut im Bauch wird es kein Helfen geben, da dort, wo Menschen sich in Wut abwenden, es schwer fallen wird, sie neu zu motivieren.

 

Natürlich sollen Pfarrer von Verwaltungsarbeit durch Zusammenarbeit entlastet werden. Aber Technokraten in Zentralen sehen nicht, was ein Dorf leisten kann.

 

Nachdem die Zwergschulen aufgegeben wurden, Dorfläden verschwanden, Postfilialen aufgegeben wurden, die letzte Gaststätte geschlossen ist, werden die Großpfarreien mit ihrem Vermögens-übergang dazu führen, dass auch in der Kirche im Dorf der Schlüssel umgedreht wird. Denn es werden keine Feste mehr veranstaltet, um für die Renovierung des Gotteshauses zu sammeln. Die Gläubigen werden sich abwenden.

 

Die Kirche gehört für viele Menschen zum Wichtigsten, was das Dorf noch hat!

 

Wir werden als Kreis, als Verbandsgemeinden und als Ortsgemeinden nicht die seelsorgerische Lücke und auch nicht die Lücke der Engagierten und schon gar nicht die finanzielle Lücke schließen können, die sich hier auftun. Die Hälfte der Zivilgemeinden ist überschuldet und die Kommunalaufsicht wird es ihnen verwehren, freiwillige Aufgaben im Bereich Kirche zu übernehmen.

 

Als Landrat mit christlichem Glauben heiße ich anonyme Großpfarreien nicht gut. Man darf das, was in Jahrhunderten von Menschen in Armut, aber Stolz, zusammengetragen wurde, nicht einer Großpfarrei übereignen. Rheinland-Pfalz ist das Bundesland der Verbandsgemeinden, die für die Ortsgemeinden die Aufgaben wahrnehmen, die von den Ortsgemeinden nicht so erfüllt werden können; jedoch ohne den Ortsgemeinden den Ortsbürgermeister oder den Ortsgemeinderat zu nehmen. Dies stelle ich mir auch bei einer Pfarrreform vor.

 

Die Kirche darf und soll Strukturreformen vornehmen. Ziel muss sein, dass die Reform das Mitmachen vor Ort stärkt. Wir brauchen mehr Zutrauen in die Menschen der unteren Entscheidungsebenen.

 

Als Katholik wünsche ich mir, dass künftig mehr Frauen und Männer ohne Priesterweihe in die Seelsorge eingebunden werden. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen, sonst stirbt das Dorf in seinem geistlichen, kulturellen und sozialen Herz.

 

Gerne biete ich Ihnen mich und mein Team vom Zukunfts-Check-Dorf als Resonanzpartner der öffentlichen Seite bei der schwierigen Frage der Pfarrreform an."

Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm, 23.10.2017

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